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Die Klybeck-Kantine von aussen. Der Treppenaufgang rechts im Bild wurde erst in späteren Jahren angefügt.

Als in den späten 1960er-Jahren im Herzen des Klybeck, an der Kreuzung Mauerstrasse/Klybeckstrasse, das ganz in Rostrot-Braun gehaltene Personalrestaurant eröffnet wurde, war auch das Schweizer Fernsehen vor Ort, damals noch schwarz-weiss, um über die Kantineneröffnung zu berichten.   

Ganz anders als heute, in einer Zeit, in der das Kulinarische immer mit dem Persönlichen verbunden ist und auf die individuellen Wünsche der Gäste eingegangen wird – vegan, vegetarisch, laktose- und glutenfrei oder anderes –, lag damals das Augenmerk auf der Automation, galt es doch tausende Mitarbeiter in kürzester Zeit zu verpflegen.  

So berichtete das Schweizer Fernsehen: «Modernste Einrichtungen erlauben durch weitgehende Automation die Ausgabe von nahezu 4000 Mittagessen. Den hungrigen Gästen der Klybeck-Kantine, die in sieben sich überlappenden Schichten speisen, werden im Laufe einer Stunde rund 2400 Essen ausgeliefert. Alle anderthalb Sekunden eine fixfertige Mahlzeit.»   

Ob diese typisch industriell anmutende Abfertigung der Innovation und der Kreativität der Kolleginnen und Kollegen zuträglich war, sei dahingestellt. Ursula Sallmann wusste ja noch zu berichten, dass 1963, als man über Mittag noch nach Hause ging, ihrem Mann das molekulare Grundgerüst für Voltaren bei Tisch einfiel und er die Formel auf eine Serviette kritzelte – so wie sich das für grosse Ideen ja eigentlich gehört.   

Ganz so schlecht kann das Essen nicht geschmeckt haben, und auch im Klybeck wurde die Innovation forsch vorangetrieben. Heute noch wird im Klybeck täglich gespeist, wenngleich das Gedränge zu Stosszeiten nicht mehr ganz so stark ist wie noch vor rund fünfzig Jahren. Die Zahl der Mitarbeitenden auf dem Klybeck ist deutlich zurückgegangen, und über Mittag herrscht in der Regel ein überschaubarer Betrieb.   

Das gibt auch Gelegenheit, die Eleganz des weitläufigen Speisesaals zu geniessen, von dem behauptet wird, er sei derart gross und ausgedehnt, dass, wenn man an einem Ende des Restaurants Platz nimmt, die Erdkrümmung auf der gegenüberliegenden Seite ins Sichtfeld tritt.   

Selbstverständlich eine Übertreibung. Doch der von 1965 bis 1967 errichtete Bau der damaligen Stararchitekten Suter + Suter, die auch viele andere Gebäude im Klybeck konzipierten und sich in ihrem Entwurf an Mies van der Rohe orientierten, ist ein kleines architektonisches Meisterwerk, zu dem der Name Personalrestaurant oder Kantine nicht ganz passen will.   

Viel eher passt ins Bild, dass 1970, als sich Ciba und Geigy zusammenschlossen, die Ciba-Generalversammlung im Speisesaal durchgeführt wurde, in dem noch heute zwei grosse Wandmalereien von Hans Erni hängen, die dem Raum eine feierliche, wenn nicht schon fast sakrale Bedeutung geben.

Man kann sich deshalb durchaus vorstellen, dass sich eines Tages trendige Künstler, Designer und Architekten in diesem von der Stadt Basel ins Inventar der schützenswerten Gebäude aufgenommenen Bau einmieten werden, der in der trockenen Klybeck-Industriesprache heute noch schlicht als K-610 bezeichnet wird. Im Marketingslang der aktuellen Start-ups liesse sich der Bau durchaus Architektur- oder Kunstkantine nennen. Man wird es sehen.

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